Laudatorin Adelheid Cerwenka mit Preisträger Kilian Schober, Magdalena Griegal von biotest (Sponsor) und
DGfI-Vorstand Hansjörg Schild (v.l.n.r.)
In diesem Jahr erhält Prof. Dr. Kilian Schober den Georges-Köhler-Preis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Mit seinen grundlegenden Forschungsarbeiten zur Vielfalt der T-Zellen und T-Zellrezeptoren setzte sich der Forscher vom Institut für Mikrobiologie des Universitätsklinikums Erlangen im Wettbewerb durch.
Jeder T-Zellrezeptor passt zu einem spezifischen Antigen
Kilian Schobers Forschungsgruppe fokussiert sich auf den T-Zellrezeptor, der auf der Oberfläche einer jeden T-Zelle vorkommt. Diesen muss man sich wie einen Schlüssel vorstellen, der zu einem ganz bestimmten Schloss, nämlich einem spezifischen Antigen passt. Ein Antigen sitzt zum Beispiel auf einer virusinfizierten Zelle oder einer Tumorzelle und wird im Idealfall vom Immunsystem bekämpft. Findet der passende Schlüssel ins richtige Schloss wird das Virus oder die Tumorzelle unschädlich gemacht.
Jede T-Zelle verfügt über einen anderen T-Zellrezeptor, der zur Ausschaltung eines ganz bestimmten „Störenfrieds“ vorgesehen ist. Manche T-Zelltypen, die sogenannten T-Killerzellen, können virusinfizierte Zellen bekämpfen; T-Gedächtniszellen bilden ein immunologisches Gedächtnis mit den spezifischen Informationen des Antigens, um bei späteren Infektionen die entsprechend erfolgreiche Abwehrtruppe an T-Zellen aufbauen zu lassen.
Vielfalt an T-Zellen begünstigt langfristigen Immunschutz
Schober konnte in seiner Forschung unter anderem zeigen, dass erfolgreiche Immunität nicht allein von den „stärksten“ T-Zellrezeptoren abhängt. Während sehr passgenaue Rezeptoren zwar für schnelle, akute Abwehrreaktionen wichtig sein können, beruht langfristiger Schutz vor Erkrankung vor allem auf der Vielfalt des T-Zellrepertoires. Das bedeutet, dass das Immunsystem auf lange Sicht effektiver arbeitet, wenn es auf viele unterschiedliche Schlüssel zugreifen kann, von denen auch dann noch einer passen kann, wenn ein Virus mutiert oder eine Tumorzelle ihr Aussehen verändert.
Effektive Gedächtniszellen gehen schnell in Energiesparmodus über
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Schobers Arbeit ist, wie genau ein immunologisches Gedächtnis entsteht. In SARS-CoV-2- und Gelbfieber geimpften Individuen untersuchte sein Team, welche T-Zellen langfristig im Organismus erhalten bleiben. Die Ergebnisse zeigen, dass besonders langlebige Gedächtniszellen früh in einen ruhigen, energiesparenden Zustand übergehen und nicht unbedingt die kurzfristig aktivsten Zellen sind. Diese Erkenntnisse liefern wichtige Hinweise darauf, warum manche Impfungen über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte schützen.
Schobers Erkenntnisse fließen unmittelbar in neue Immuntherapien und Impfstoffe ein
Darüber hinaus hat Kilian Schober innovative Methoden entwickelt, um T-Zellrezeptoren ihren jeweiligen Zielantigenen zuzuordnen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus seinen Forschungsarbeiten fließen direkt in die Entwicklung neuer personalisierter Immuntherapien und Impfstoffe ein. Schober war zum Beispiel an der Entwicklung von Verfahren beteiligt, mit denen sich T-Zellrezeptoren präzise austauschen lassen. Dabei wird ein genetisch veränderter Rezeptor gezielt an der natürlichen Position des ursprünglichen Rezeptors eingebracht. Solche genetisch modifizierten T-Zellen verhalten sich therapeutisch günstiger – ein wichtiger Schritt hin zu wirksameren und sichereren Zelltherapien gegen Krebs und Infektionskrankheiten.
Gruppenleiter an der Schnittstelle von Forschung und Medizin
Kilian Schober studierte Medizin und spezialisierte sich früh auf die Erforschung antigenspezifischer T-Zellen im Menschen. Nach einer knapp siebenjährigen, äußerst erfolgreichen Postdoc-Phase bei Prof. Dirk Busch an der Technischen Universität München wechselte er 2021 an das Mikrobiologische Institut des Universitätsklinikums Erlangen. Dort baute er innerhalb kurzer Zeit eine inzwischen dreizehnköpfige, vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Forschungsgruppe auf und wurde 2024 zum W2 Heisenberg-Professor für T-Zell-Immunologie and der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ernannt. Als Clinician Scientist verbindet er T-Zell-Grundlagenforschung mit angewandter klinischer Tätigkeit und arbeitet weiterhin als Facharzt in der mikrobiologischen Diagnostik.
Die Preisverleihung fand am 15. September 2026 im Rahmen des President’s Symposiums der DGfI-Jahrestagung in München statt.
Über den Georges-Köhler-Preis
Der mit 3.000 € dotierte Georges-Köhler-Preis wird an promovierte WissenschaftlerInnen mit einem eigenständigen Forschungsprofil vergeben, deren Arbeiten zum besseren Verständnis des Immunsystems herausragend beigetragen haben oder daraus resultierende Anwendungen geschaffen haben. Namensgeber des Preises ist Prof. Georges Jean Franz Köhler, der 1984 im Alter von 38 Jahren für die Entdeckung des Prinzips der Herstellung monoklonaler Antikörper den Nobelpreis erhielt. Von 1985 bis zu seinem Tod im Jahr 1995 war er Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg.
Mit freundlicher Unterstützung der Biotest AG.
Pressekontakt:
Deutsche Gesellschaft für Immunologie e. V.
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Pressemitteilung: GK2026_Schober,Kilian
