Novartis-Preisträger Gerhard Krönke (l.) mit DGfI-Präsident Hansjörg Schild (Mi.) und Laudator Jürgen Ruland (r.)
Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI) vergibt in Zusammenarbeit mit der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung jährlich den Novartis-Preis für therapierelevante immunologische Forschung. Dieses Jahr konnte Gerhard Krönke die Preiskommission von sich überzeugen und gewann den mit 10.000 Euro dotierten Preis.
Prof. Dr. med. Gerhard Krönke von der Charité Universitätsmedizin Berlin erhält den Novartis Preis für therapiebezogene Forschung für seine wegweisenden Arbeiten zur immunologischen Grundlagenforschung und deren konsequenter Überführung in klinisch therapeutische Anwendungen bei Autoimmunerkrankungen. Der gebürtige Österreicher verbindet hochauflösende Analysen von Immunzellfunktionen mit innovativen Therapiekonzepten und schlägt damit jene Brücke zwischen immunologischer Grundlagenforschung, klinischer Praxis und Pharmakologie, die Zielsetzung des Novartis Preises ist.
Krönke hat Immuntherapiekonzept bei Autoimmunerkrankung Lupus mit entwickelt
Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf B-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen wie dem refraktären systemischen Lupus erythematodes. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen an und führt zu chronischen Entzündungen in unterschiedlichen Organen, etwa der Haut, dem Herzen, der Lunge oder dem Gehirn. Zu den typischen Symptomen des Lupus‘ zählen starke Müdigkeit (Fatigue), Gelenkschmerzen, Hautausschläge oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut.
Krönke war im Zusammenhang mit dieser Erkrankung maßgeblich an der Entwicklung und klinischen Anwendung CD19-gerichteter CAR-T-Zellen sowie bispezifischer Antikörper beteiligt. Diese beiden im Labor entwickelten immuntherapeutischen Komponenten tragen zur Zerstörung der fehlgeleiteten B-Zellen bei, aus denen die schädlichen Autoantikörper hervorgehen. Daraufhin nehmen die Autoimmunreaktionen auf körpereigenes Gewebe ab, es findet ein tiefes immunologisches „Reset“ statt, das mit langanhaltender, weitgehend therapiefreier Remission einhergehen kann. Es können neue, gesunde B-Zellen und Plasmazellen entstehen, die keine Autoantikörper mehr bilden.
CD19-gerichtete CAR-T-Zellen sind gentechnisch veränderte körpereigene Immunzellen (T-Zellen). Sie werden mit einem künstlichen Rezeptor (CAR) ausgestattet, der das Oberflächenprotein CD19 auf gesunden und fehlgesteuerten B-Zellen anvisiert. Dadurch spüren sie sowohl gesunde als auch fehlerhafte Zellen im Körper auf und zerstören diese. Bispezifische Antikörper sind biotechnologisch hergestellte Proteine, die zwei unterschiedliche Antigene gleichzeitig binden können. Ein „Arm“ bindet in diesem Fall an eine B-Zelle mit CD19, ein anderer an eine normale, nicht genetisch veränderte, T-Zelle. Dadurch werden beide Zellen zusammengebracht, die T-Zelle wird aktiviert und zerstört daraufhin die B-Zelle.
Die Arbeiten von Gerhard Krönke sind exemplarisch für die Übersetzung immunologischer Grundlagenforschung in neuartige, potenziell kurative Therapien und haben das internationale Behandlungskonzept bei schwerer Autoimmunerkrankung wie dem Lupus entscheidend beeinflusst.
Forscher hat Wirkmechanismus von entzündungshemmenden Hormonen entschlüsselt
In einer aktuellen „Nature“-Publikation konnte Krönke zudem einen neuen Wirkmechanismus von Glukokortikoiden aufklären, der weit über die klassische Genregulation hinausgeht. Er zeigte, dass Glukokortikoide (körpereigene Hormone) den Stoffwechsel von Makrophagen (Fresszellen des angeborenen Immunsystems) so umprogrammieren, dass mehr Itaconat gebildet wird. Stehen dem Körper mehr dieser entzündungshemmenden Stoffwechselmoleküle zur Verfügung, kann die Entzündungsreaktion nachhaltig gebremst werden. Diese mithilfe von Krönkes Forschungsteam erlangten Einsichten in die Wirkmechanismen von Glukokortikoiden eröffnen die Perspektive, gezielt neue Glukokortikoid-ähnliche Wirkstoffe mit verbesserten Sicherheitsprofilen zu entwickeln und damit den therapeutischen Fortschritt bei immunvermittelten Erkrankungen weiter voranzutreiben.
Die Preisverleihung fand am 15. September 2026 im Rahmen des President’s Symposiums der DGfI-Jahrestagung in München statt.
Über den Novartis-Preis für therapierelevante immunologische Forschung
Immunologische Grundlagenforschung besitzt ein hohes Potential für die Entwicklung von innovativen immuntherapeutischen Ansätzen. Dabei ist die erfolgreiche Translation – die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die medizinische Praxis – von neuen Erkenntnissen aus der Immunologie immer noch eine große Herausforderung und erfordert ein hohes Maß an Interdisziplinarität. Deshalb vergibt die Deutsche Gesellschaft für Immunologie in Zusammenarbeit mit der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung bislang alle zwei Jahre und jetzt jährlich den Novartis-Preis für therapierelevante immunologische Forschung. Der mit 10.000 EUR dotierte Preis soll Arbeiten auszeichnen, die eine Brücke zwischen immunologischer und klinischer Forschung schlagen. Das Preisgeld kann nur für Forschungszwecke genutzt werden. Der Preis wurde erstmalig 2021 verliehen. Es sind sowohl Eigenbewerbungen und Nominierungen möglich.
Pressekontakt:
Deutsche Gesellschaft für Immunologie e. V.
Charitéplatz 1
10117 Berlin
ma**@**fi.org
Pressemitteilung: Nova2026_Krönke,Gerhard
