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Krebsimmuntherapie: Dresdner Forschende präsentieren vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen soliden Tumoren

08.06.2026

Ein Team unter Leitung von Forschenden des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus (UKD) und der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD) präsentiert am 31. Mai 2026 auf der diesjährigen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) erstmals klinische Ergebnisse einer neuen Krebsimmuntherapie zur Behandlung fortgeschrittener Tumoren. Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt gute Verträglichkeit und deutliche Zeichen für eine Wirksamkeit dieser neuartigen Immuntherapie und werden zeitgleich in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

Die Early Clinical Trial Unit (ECTU) am NCT/UCC Dresden hat im Rahmen einer klinischen Studie erstmals die Krebsimmuntherapie IMA401 bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren getestet. IMA401 ist ein sogenannter bispezifischer T-Zell-Engager (TCER), der Krebszellen gezielt mit T-Zellen verknüpft und so das Immunsystem direkt gegen den Tumor aktiviert. Dafür bindet das Molekül zwei Ziele gleichzeitig: ein in den Tumorzellen gebildetes Eiweiß, das Tumorantigen MAGEA4/8, und ein Molekül auf der Oberfläche körpereigener Abwehrzellen (CD3). Diese Abwehrzellen, sogenannte T-Lymphozyten, werden dadurch zielgerichtet an die Tumorherde geleitet und aktiviert, so dass sie die Krebszellen zerstören.

In der jetzt vorgestellten Studie erhielten 61 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, die nicht mehr auf Standardbehandlungen ansprachen, IMA401 als Infusion, zum Teil in Kombination mit dem bereits zugelassenen Immuntherapeutikum Pembrolizumab. „Unsere wichtigsten Ziele waren, die Sicherheit von IMA401 nachzuweisen und die optimale Dosis für die weitere Entwicklung festzulegen“, erläutert Studienleiter Prof. Martin Wermke, Leiter der NCT/UCC Early Clinical Trial Unit (ECTU) und Professor für Experimentelle Tumortherapie.

Die Behandlung erwies sich insgesamt als gut verträglich: Die häufigsten therapiebedingten Nebenwirkungen waren durch die gewünschte Aktivierung des Immunsystems bedingt. Bei 38 Prozent der Patientinnen und Patienten trat ein Zytokinfreisetzungssyndrom auf, das vor allem durch Fieber gekennzeichnet war (Schweregrad 1 bis 2). Weiterhin kam es zu vorübergehenden Blutbildveränderungen. Dabei handelte es sich in 33 Prozent der Fälle um Lymphopenie und zu 31 Prozent um meist reversible Neutropenie.

Die Studie zeigte bei mehreren Tumorarten ein Ansprechen auf die Behandlung, darunter Lungenkrebs, schwarzer Hautkrebs und neuroendokrine Tumoren. Die größte Patientengruppe bildeten jedoch Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren. Hier konnte bei vier von 14 im optimalen Dosisbereich behandelten Patientinnen und Patienten eine relevante Tumorschrumpfung beobachtet werden. Bei drei dieser vier Personen hielt das Ansprechen zum Zeitpunkt der Analyse weiterhin an. Die mediane Ansprechdauer, also die Wirksamkeit der Behandlung, lag bei 8,8 Monaten.

„Die Ergebnisse der Studie sind ein deutlicher Fortschritt für unsere Patientinnen und Patienten, denen in dieser Situation sonst nur sehr begrenzt wirksame Chemotherapien angeboten werden können“, ordnet Martin Wermke die Ergebnisse ein. „Besonders spannend ist, dass es mit IMA401 gelingt, Tumormerkmale zur Immuntherapie zu nutzen, die sich nicht auf der Oberfläche der Tumorzelle befinden, sondern in ihrem Inneren lokalisiert sind.

Aufgrund der guten Verträglichkeit besteht die Möglichkeit IMA401 mit anderen Immuntherapien zu kombinieren. Wir werden IMA401 in Kürze mit einem ähnlichen, aber gegen ein weiteres Tumormerkmal gerichteten TCER bei Lungenkrebs prüfen. Wir erhoffen uns davon eine noch bessere Wirksamkeit.“

Die Early Clinical Trial Unit (ECTU)
Die Early Clinical Trial Unit (ECTU) des NCT/UCC Dresden ist spezialisiert auf die Durchführung früher klinischer Studien. „Wir sehen unsere ECTU als eine Möglichkeit, Patientinnen und Patienten in der Region neue Krebstherapien früh und so sicher wie möglich zugänglich zu machen. Die aktuell publizierte Studie zu IMA401 ist besonders prominentes Beispiel für die Wirksamkeit dieses Ansatzes“, ist Prof. Martin Bornhäuser, einer der geschäftsführenden Direktoren des NCT/UCC Dresden und Direktor der Medizinischen Klinik I am UKD, erfreut.

„Wir werden die hervorragende Arbeit der ECTU weiter unterstützen und diesen Bereich konsequent ausbauen, um unsere führende Stellung bei der Entwicklung neuartiger Krebstherapien weiter zu festigen“, unterstreicht Prof. Uwe Platzbecker, medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden.

„Die Präsentation der Studienergebnisse auf der ASCO-Jahrestagung und die gleichzeitige Publikation in Nature Medicine unterstreichen einmal mehr die große internationale Bedeutung der Dresdner Krebsforschung“, ergänzt Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TUD.

Die Studie
Die vollständigen Studienergebnisse wurden am 31. Mai 2026 auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und zeitgleich in Nature Medicine veröffentlicht.

 

Wissenschaftliche Ansprechpartner:in

Prof. Martin Wermke
Leitung NCT/UCC Early Clinical Trial Unit (ECTU)
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden
Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Dresden
Tel.: +49 351 458 7566
E-Mail: Ma***********@**dd.de

Originalpublikation: https://www.nature.com/articles/s41591-026-04455-x

Quelle: Pressemitteilung Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden 06/2026

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