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Otto-Westphal-Promotionspreis 2026 für Katharina Kocher

15.09.2026

Otto-Westphal-Preis
Laudatorin Friederike Berberich-Siebelt, Magdalena Griegal von biotest (Sponsor), Preisträgerin Katharina Kocher und DGfI-Vorstand Hansjörg Schild (v.l.n.r.)

In diesem Jahr erhält Dr. Katharina Kocher den Otto-Westphal-Promotionspreis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Ihre Dissertation “Quantitative and qualitative features of adaptive immune responses after SARS-CoV-2 mRNA vaccination” setzte sich im Wettbewerb um den mit 1.500 Euro dotierten Preis durch.

Forscherin zeigt: mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 ruft starke Immunantwort hervor

„In meiner Dissertation habe ich vor allem untersucht, wie der mRNA-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 die Qualität der adaptiven Immunantwort beeinflusst“, sagt Katharina Kocher. Diese Komponente sei in der Vakzin-Forschung bislang weitgehend vernachlässigt gewesen.

Die Forscherin, die am Institut für Mikrobiologie des Universitätsklinikums Erlangen in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kilian Schober promoviert hat, konnte zeigen, dass mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 über verschiedene Impfprogramme hinweg sowohl starke Antikörper- als auch starke T-Zellantworten hervorrufen. Wiederholte mRNA-Impfungen gegen SARS-CoV-2 erhöhten aber nicht nur die Menge an funktionellen Antikörpern und T-Zellen, sondern führten auch dazu, dass das Immunsystem vermehrt sogenannte IgG4-Antikörper bildet. Das ist eine Antikörperklasse, die das Immunsystem gewöhnlich eher zur Regulation als zur maximalen Aktivierung gegen ein Virus einsetzt. Damit zeigte die Forscherin in Kollaboration mit anderen Forschenden in Erlangen, dass sich mit mehrfachen Impfungen gegen SARS-CoV-2 auch die Qualität der erworbenen Immunantwort verändert.

T-Zellen sind wichtige Immunzellen, die Immunreaktionen koordinieren oder virusinfizierte Zellen abtöten. Eine mRNA-Impfung gegen COVID-19 bringt Körperzellen dazu, vorübergehend das Spike-Protein, also das Oberflächenprotein des Virus‘, herzustellen. Das Ziel ist, dass das Immunsystem Antikörper sowie T-Zell-Antworten dagegen aufbaut.

Immunsystem greift zur Virusabwehr auf vielfältiges T-Zell-Reservoir zurück  

Die gebürtige Stuttgarterin identifizierte zudem bislang unbekannte Schlüsselprinzipien, nach denen der Körper zur Virusabwehr aus einem vielfältigen Arsenal unterschiedliche T-Zellen je nach Passung auswählt und einsetzt. Hierbei werden nicht nur wenige „besonders starke“ T-Zellen ausgewählt, sondern die T-Zell-Antwort bleibt breit aufgestellt. Denn ein großes Reservoir an verschiedenen T-Zellen ist letztlich ein Grund dafür, dass das Immunsystem auch gegen neue Varianten von Krankheitserregern wirksam bleibt.

Hypervakzinierung hinterlässt keine Immunschäden – und ist nicht automatisch wirksamer

Katharina Kocher untersuchte weiterhin in einer weltweit einmaligen Studie zu Hypervakzinierung, wie das menschliche Immunsystem auf eine sehr hohe Zahl von Impfungen reagiert. Die untersuchte Person hatte freiwillig 217 SARS-CoV-2-Impfungen erhalten. Trotz der hohen Anzahl an Impfungen konnten die Forschenden keine Hinweise darauf finden, dass das Immunsystem erschöpft reagiert oder Schaden nimmt. Stattdessen wies die Person hohe Mengen an Antikörpern und T-Zellen auf. Gleichzeitig kamen die Forschenden in der Studie aber auch zu dem Schluss, dass mehr Impfungen nicht automatisch zu einer besseren Immunität führen.

Kochers Forschungsarbeiten finden international große Beachtung

Aus Katharina Kochers Promotionszeit von 2021-2025 gingen vier (geteilte) Erstautoren-Veröffentlichungen in international renommierten Fachzeitschriften wie „eBioMedicine“ und „Science Immunology“ hervor.  Ihre Arbeiten zu IgG4-Antikörpern nach wiederholter mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 sowie ihre Publikation zu einem Fall von Hypervakzinierung finden in der internationalen Forschungsgemeinschaft große Beachtung, da sie entscheidend zum Verständnis der Qualität adaptiver Immunantworten nach einer mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 beitragen.

Kocher forscht aktuell zu T-Zellimmunität bei Tuberkulose

Heute arbeitet Katharina Kocher als Postdoctoral Researcher am Institute of Infection, Immunity and Transplantation (University College London) in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Mahdad Noursadeghi. Dort untersucht sie T-Zell-Antworten im Kontext von Tuberkulose und erforscht, welche Merkmale schützende Immunantworten auszeichnen. Die in ihrer Promotion gewonnenen Erkenntnisse zur Qualität von Immunantworten fließen heute in ihre Forschung im Kontext von Tuberkulose ein und könnten langfristig zur Entwicklung verbesserter Impfstoffe und Immuntherapien beitragen.

Die Preisverleihung fand am 15. September 2026 im Rahmen des President’s Symposiums der DGfI-Jahrestagung in München statt.

 

Über den Otto-Westphal-Promotionspreis

Der mit 1.500 € dotierte Otto-Westphal-Promotionspreis wird jährlich für die beste, im deutschsprachigen Raum durchgeführte Dissertation auf dem Gebiet der Immunologie vergeben, die im jeweils zurückliegenden Kalenderjahr erfolgreich mit der Verleihung des akademischen Titels abgeschlossen wurde.

Namensgeber des Preises ist Prof. Otto Westphal (1913-2004), Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie in Freiburg sowie Gründungsmitglied und langjähriger Präsident (1967-1976) der Deutschen Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI).

 

Pressekontakt:
Deutsche Gesellschaft für Immunologie e. V.                      
Charitéplatz 1                                                           
10117 Berlin  
ma**@**fi.org

Pressemitteilung: OW2026_Kocher,Katharina

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