
Dr. Janna Heide erhält in diesem Jahr den Fritz-und-Ursula-Melchers-Postdoktorandenpreis für ihre Forschung zur Rolle bestimmter Gewebszellen bei der Unterdrückung der Immunabwehr in Tumoren – und zu neuen Möglichkeiten, diesen Mechanismus therapeutisch zu blockieren. Der Preis würdigt herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung und ist mit 2.000 Euro dotiert.
Wirkstoff zur Hemmung tumorfördernder Bindegewebszellen gefunden
Während ihrer Postdoktorandenzeit an der University of Chicago von 2020 bis 2025 zeigte Janna Heide, dass tumorassoziierte Fibroblasten die Immunabwehr gezielt hemmen können, wodurch das Tumorwachstum begünstigt wird. Tumorassoziierte Fibroblasten sind Bindegewebszellen, die den Tumor umgeben. Die Immunabwehr wird durch eine epigenetische Umprogrammierung in den tumorassoziierten Fibroblasten geschwächt, die durch das Enzym NNMT (Nicotinamid-N-Methyltransferase) vermittelt wird. Das führt dazu, dass Botenstoffe gebildet werden, die dazu beitragen, dass immunsuppressive Zellen – genauer die MDSCs (myeloide Suppressorzellen) – angelockt werden. Diese Immunzellen bremsen gezielt die Aktivität von CD8+ T-Killerzellen aus, die unter anderem Tumorzellen bekämpfen.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickelte Janna Heide gemeinsam mit ihren KollegInnen einen Hemmstoff, der in präklinischen Studien die durch Fibroblasten vermittelte Immunsuppression verringerte und das Tumorwachstum verlangsamte. Dabei handelt es sich um den sogenannten NNMTi, also einen Inhibitor, der das Stoffwechselenzym NNMT blockiert.
Parallel dazu wirkte die Wissenschaftlerin an einem Projekt mit, das untersuchte, wie ein durch Strahlentherapie vermehrt gebildetes Protein – das Amphiregulin – bestimmte Immunzellen so umprogrammiert, dass sie in einen immunsuppressiven Zustand geraten und das Wachstum von Metastasen begünstigen. Dabei handelt es sich um myeloische Zellen, die den EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor) exprimieren, also um Immunzellen der angeborenen Immunantwort wie Monozyten oder Makrophagen, die den Rezeptor für das Protein Amphiregulin tragen und es entsprechend binden können.
Klinische Medizinerin mit immunologischem Fokus
Janna Heide veröffentlichte als Erstautorin vier Forschungsarbeiten in international renommierten Fachzeitschriften, darunter Nature. Die in Heide (Holstein) geborene Forscherin studierte an der Universität Hamburg Medizin. Während dieser Zeit entwickelte sie ein besonderes Interesse an der Immunologie, das ihre wissenschaftliche Laufbahn bis heute prägt. Auch in ihrer Dissertation widmete sie sich diesem Themenfeld. Ihre Promotion trägt den Titel: „Analyse der EXP1-spezifischen CD4+ T-Zell-Antwort während einer akuten Plasmodium-falciparum-Malariainfektion“. Janna Heide entschied sich für die Immunforschung „mit dem Ziel, die Immunregulation in verschiedenen Krankheitskontexten zu verstehen und mechanistische Erkenntnisse in therapeutische Konzepte zu überführen.”
Aktuell absolviert sie eine klinische Facharztausbildung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dort bildet sie sich im Bereich der autoimmunen Nierenerkrankungen weiter. Parallel dazu forscht sie am Hamburg Center for Translational Immunology (HCTI) in der Gruppe von Professor Ulf Panzer zu Interaktionen von T-Zellen und Fibroblasten bei Nierenerkrankungen.
Die Preisverleihung fand am 15. September 2026 im Rahmen des President’s Symposium der DGfI Jahrestagung in München statt.
Über den Fritz-und-Ursula-Melchers-Postdoktorandenpreis
Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI) vergibt einmal jährlich den Fritz-und-Ursula-Melchers-Postdoktorandenpreis an eines ihrer Mitglieder. Der Preis wird für die bisher geleisteten Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie verliehen. Der Bewerber oder die Bewerberin sollte mindestens eine Publikation als ErstautorIn aus Arbeiten nach der Promotion vorlegen können. Ein Teil der Arbeiten (Dissertation oder Postdoc) muss im deutschsprachigen Raum angefertigt worden sein.
Stifter des Preises sind Fritz und Ursula Melchers. Fritz Melchers war langjähriger Direktor des „Basel Institute for Immunology“ und ist Gründungsmitglied unserer Deutschen Gesellschaft für Immunologie e.V.. Herausragend sind Prof. Melchers Forschungsarbeiten, die entscheidend zu unserem Verständnis der Reifung Antikörper-produzierender B-Lymphozyten beigetragen haben.
Pressekontakt:
Deutsche Gesellschaft für Immunologie e. V.
Charitéplatz 1
10117 Berlin
ma**@**fi.org
Pressemitteilung: FUM2026_Heide,Janna
