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Veröffentlichung in Nature Cancer: Der Einfluss der Lymphknoten-Architektur auf Lymphdrüsenkrebs

19.04.2026

Forschenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) gelang es erstmals, die Organisation von Immunzellen im menschlichen Lymphknoten zu kartieren. Die Studie wurde gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dem Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie Heidelberg (EMBL), dem Berlin Institute of Health (BIH) der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Universität Basel durchgeführt. Sie konnten zeigen, warum die Architektur des Lymphknotens bei bösartigen Lymphomen schrittweise abgebaut wird. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden um Prof. Dr. Sascha Dietrich (UKD) in der Fachzeitschrift Nature Cancer.

Lymphknoten sind zentrale Schaltstellen des Immunsystems und spielen eine wichtige Rolle in der Abwehr von Infektionen und Tumoren. Damit diese Aufgaben funktionieren, müssen Immunzellen (B-Zellen und T-Zellen) im Lymphknotengewebe räumlich exakt organisiert sein, etwa in sogenannte B-Zell-Follikel und T-Zell-Zonen. Gesteuert wird dies durch Stromazellen (nicht-blutbildende Stützzellen): Sie geben Botenstoffe, sogenannte Chemokine, ab und bilden damit Leitsignale, an denen sich Immunzellen orientieren, um ihre vorgesehenen Plätze im Lymphknoten zu finden. Bei B-Zell-Lymphomen ist die innere Ordnung des Lymphknotengewebes je nach Erkrankung sehr unterschiedlich gestört: Während bei langsam wachsenden Lymphomen, z.B. dem follikulären Lymphom (FL), die grundlegende Gewebestruktur erhalten bleibt, bricht die räumliche Ordnung bei aggressiven Lymphomen, z.B. dem diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL), vollständig zusammen. Warum diese typischen Wachstumsmuster entstehen, war bislang weitgehend unklar.

In der Studie „Reprogramming of stroma-derived chemokine networks drives the loss of tissue organization in nodal B cell lymphoma” gelang es den Forschenden rund um Prof. Dietrich (Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie, UKD) nun erstmals, diese Prozesse systematisch im menschlichen Lymphknoten darzustellen. Dabei konnten sie mithilfe von Einzelzell-Analysen und räumlicher Gewebekartierung nachzeichnen, welche Faktoren dazu führen, dass sich die Lymphknoten-Architektur bei Lymphomerkrankungen zunehmend auflöst.

Die Daten zeigen: Stromazellen sind die „Architekten“ des Lymphknotens. Die Forschenden konnten nachweisen, dass sich zentrale Chemokin-Leitsignale in spezialisierten Stromazellen im Rahmen von Lymphomerkrankungen grundlegend verändern und damit die räumliche Ordnung des Lymphknotens schrittweise zusammenbricht. Diese Veränderungen von Stromazellen spiegeln sich im Wachstumsmuster von Lymphomen wider – während beim FL zwar die Größenverhältnisse von B-Zell-Follikeln und T-Zell-Zonen verschieben, die Bereiche aber überwiegend räumlich getrennt bleiben, gehen beim DLBCL wichtige Steuerungssignale und damit die Gewebestruktur weitgehend verloren.

Als treibenden Mechanismus identifiziert die Studie einen entzündlichen Teufelskreis: T-Zellen produzieren als Teil der Immunantwort im Tumorumfeld entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Interferone, die in Stromazellen zur Umstellung ihrer Chemokin-Produktion führen: statt strukturgebender Signale dominieren entzündliche Chemokine, die wiederum weitere Entzündungszellen anziehen. Der Verlust der Lymphknoten-Organisation bei Lymphomen ist damit kein passiver Effekt des Tumorwachstums, sondern wird aktiv durch Entzündungsprozesse in der Tumorumgebung vorangetrieben.

Für die Patientinnen und Patienten führt diese Umprogrammierung von Stromazellen zu schlechteren Überlebenschancen. Die Studie konnte in großen Kohorten zeigen, dass ein Verlust von strukturgebenden Chemokinen mit einer ungünstigen Prognose einhergeht.

Die Erkenntnisse ermöglichen aber auch neue potenzielle Therapieansätze. „Die Studienergebnisse zeigen uns, dass eine Stabilisierung der Stromazellen oder eine gezielte Modulation der entzündlichen Signale ein vielversprechender neuer Therapieansatz sein könnte“, so Prof. Dietrich. „Außerdem können die Ergebnisse uns künftig helfen, neue Biomarker zu identifizieren und so aggressive Verläufe frühzeitig zu erkennen“, schließt er.

Die Studie ist im Rahmen einer nationalen und internationalen Kooperation entstanden. Federführend beteiligt waren neben Prof. Dr. Dietrich und der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie des UKD Dr. Felix Czernilofsky (Universitätsklinikum Heidelberg), Dr. Anna Mathioudaki (EMBL), Dr. Lea Jopp-Saile (Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin, Berlin), Prof. Dr. Simon Haas (BIH, Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin, Berlin, Queen Mary University of London), Dr. Daniel Hübschmann (DKFZ) und Prof. Dr. Judith Zaugg (EMBL und Universität Basel).

Am Standort Düsseldorf waren außerdem Christina Schniederjohann, M. Sc., Dr. Nora Liebers, Dr. Peter-Martin Bruch, PD Dr. Marc Seifert (alle Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie) sowie Prof. Dr. Jörg Distler (Klinik für Rheumatologie) beteiligt.

 

Wissenschaftliche Ansprechpartner:in

Prof. Dr. Sascha Dietrich
Dr. rer. nat. Nicole Heise

Originalpublikation: https://www.nature.com/articles/s43018-026-01136-z

Quelle: Pressemitteilung Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  04/2026

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