Immunologie für Jedermann

Das menschliche Immunsystem

Ob wir in der Arbeit am Computer sitzen, Sport treiben oder gemütlich auf der Couch fernsehen, unser Immunsystem arbeitet 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche um uns vor gefährlichen Keimen (Pathogene) zu schützen. Wir sind täglich Millionen von Bakterien, Viren, Parasiten und Pilzen, aber auch Partikeln wie Staub, Pollen und Tierhaaren ausgesetzt und trotzdem meistens gesund. Dafür braucht unser Körper einen ausgeklügelten und komplexen Schutzmechanismus, das Immunsystem.

Unser Immunsystem besteht aus zwei Komponenten einem angeborenen (unspezifischen) und einem erworbenen (spezifischen) Anteil. Beide Teile sind eng miteinander verknüpft und können gemeinsam den Körper vor unerwünschten Eindringlingen schützen. Dabei arbeiten sowohl Zellen als auch humorale d.h. in den Körperflüssigkeiten gelöste Stoffe,  zusammen.
Das menschliche Immunsystem ist nicht auf ein Organ oder einen Ort beschränkt. Vielmehr verteilt es sich über viele Punkte im gesamten Körper. Die Blutbahn und die Lymphgefäße durchziehen den ganzen Körper und bilden die wichtigsten Transportwege für Immunzellen und Botenstoffe. Mit der Lymphflüssigkeit werden Sauerstoff und Nährstoffe zu Geweben transportiert und beschädigte oder tote Zellen, Krankheitserreger und Fremdstoffe wieder abtransportiert.

Unspezifische (angeborene) Immunantwort

Die menschliche Immunabwehr

Das unspezifische Immunsystem schützt uns von Geburt an vor Keimen und Fremdkörpern und wird deswegen auch angeborenes Immunsystem genannt. Eine der ersten Schutzbarrieren für potentielle Krankheitserreger ist unsere Haut. Mit fast zwei Quadratmeter Oberfläche bildet sie gemeinsam mit den Schleimhäuten aus Nase, Mund, Magen-Darm Trakt, etc. eine wichtige Barriere. Unser Darm ist, mit acht Meter Länge und 400 -500 Quadratmeter Oberfläche, das größte Immunorgan des Körpers überhaupt.

Falls Keime diese Barrieren überwinden, kümmern sich spezielle Immunzellen (weiße Blutkörperchen oder Leukozyten) um diese. Zur Armee der unspezifischen Immunabwehr gehören Makrophagen, Granulozyten, dendritische Zellen, Monozyten, Mastzellen und natürliche Killerzellen. Das ist die zelluläre Immunabwehr.
Neben den Immunzellen spielen bei der angeborenen Immunantwort auch körpereigene Botenstoffe, die von den Zellen des Immunsystems gebildet werden, eine wichtige Rolle (humorale Immunabwehr). Man kennt bereits eine große Zahl von Botenstoffen, die jeweils auf ganz unterschiedliche Abwehrzellen wirken.
Auch bakterientötende Substanzen wie z.B. Lysozym helfen dem Körper unerwünschte Eindringlinge fern zu halten.
Zusätzlich steht dem Immunsystem das Komplementsystem mit mehr als 30 Proteinen zur Verfügung. Es wird durch Antikörper oder Bakterienbestandteile aktiviert und dient zur Abwehr von Mikroorganismen.

Spezifisches (erworbenes) Immunsystem

Die spezifische oder adaptive Immunabwehr zeichnet sich durch große Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen oder veränderten Krankheitserregern aus. Diese Immunantwort wird im Laufe des Lebens erworben und es kommt zur Ausbildung eines immunologischen Gedächtnisses. Dadurch behält unser Körper den ersten Kontakt mit Keimen in Erinnerung und kann bei weiteren Infektionen schneller darauf reagieren.
Die Zellen der adaptiven Immunabwehr sind in der Lage spezifische Strukturen (Antigene) von fremden Substanzen (Zellbestandteile, Fremdkörper, etc.) zu erkennen und gezielt Abwehrmechanismen zu aktivieren. Neben den Dendritischen Zellen stellen vor allem B-Zellen und T-Zellen zwei wichtige Elemente dar.

B-Zellen können spezifisch auf das Antigen ausgerichtete Antikörper produzieren. Nach der Infektion bleiben Gedächtniszellen und Antikörper im Organismus. Antikörper können Erreger direkt erkennen und an sie binden. Durch diese Bindung werden andere Zellen des Immunsystems rekrutiert. Antikörper sind also wie kleine Fahnen, die Krankheitserreger markieren, um sie Zellen des Immunsystems zu zeigen. Es gibt fünf verschiedene  Arten von Antikörpern: IgG, IgA, IgM, IgD und  IgE.
T-Zellen können Erreger direkt abtöten.  Fast noch wichtiger ist allerdings, dass sie andere Zellen des Immunsystems, also z.B. Fresszellen oder B-Zellen, steuern.