20.09.2017

Klaus Rajewsky und Reinhold E. Schmidt mit der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Immunologie ausgezeichnet

J. Hirscher

v.l.: Prof. Dr. Michael Lohoff (Präsident der DGfI), Prof. Dr. Carsten Watzl (Generalsekretär der DGfI), Prof. Dr. Klaus Rajewsky und Prof. Dr. Jürgen Wienands (2. Vizepräsident der DGfI und Laudator)

J. Hirscher

v.l.: Prof. Dr. Carsten Watzl (Generalsekretär der DGfI), Prof. Dr. Michael Lohoff (Präsident der DGfI), Prof. Dr. Reinhold E. Schmidt und Prof. Dr. Hans-Hartmut Peter (Laudator)

Erlangen. Die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesllschaft für Immunologie (DGfI) erhalten in diesem Jahr die international anerkannten und mehrfach ausgezeichneten Immunologen, Prof. Klaus Rajewsky (Berlin), sowie Prof. Reinhold E. Schmidt (Hannover). Der Präsident der DGfI, Prof. Michael Lohoff, hat zusammen mit den Laudatoren, Prof. Jürgen Wienands und Prof. Hans-Hartmut Peter beiden Immunologen die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Immunologie übergeben. Die Ehrung fand am 12. September 2017 während dem President´s Symposium der 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Immunologie statt.

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie vergibt seit 1973 in unregelmäßigen Abständen die Ehrenmitgliedschaft an Personen, die sich im Fach Immunologie außerhalb und innerhalb der Gesellschaft verdient gemacht haben. Sowohl Klaus Rajewsky als auch Reinhold E. Schmidt haben nicht nur dazu beigetragen, die Deutsche Gesellschaft für Immunologie voranzubringen, sondern haben auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der immunologischen Forschungslandschaft geleistet.

Klaus Rajewsky

Klaus Rajewsky ist ein Gründungsmitglied der DGfI und hat mit seiner Arbeit ein grundlegendes Verständnis des Immunsystems begründet, aus dem sich ganz neue Behandlungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Erkrankungen ableiten lassen. Er hat damit eine neue Ära biomedizinischer Forschung eingeleitet. 

1936 in Frankfurt am Main geboren, studierte er Medizin und Chemie in Frankfurt und München und fertigte seine medizinische Doktorarbeit am Institut für Chemie der Universität Frankfurt an. Nach Forschungsaufenthalten in Laboratorien von Grabar, Henning und Mitchison wurde er 1970 Professor für Molekulargenetik am Institut für Genetik der Universität zu Köln und er arbeitete dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001. Von 1996 bis 2001 war er Direktor des Zentrums für Mausgenetik der Europäischen Molekularbiologieorganisation EMBL in Monterotondo in Italien. 2001 bis 2011 arbeitete Klaus Rajewsky am Center for Blood Research der Harvard Medical School. Seit 2011 ist er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin Leiter der Arbeitsgruppe „Immunregulation und Krebs“.

Im Fokus seiner Arbeit stand und steht die Entwicklung, Aktivierung und  Differenzierung der B- Lymphozyten. Mehr als 460 Veröffentlichungen in den renommiertesten Fachzeitschriften dokumentieren ein ganz aussergewöhnliches Lebenswerk. In frühen Arbeiten zeigte er zusammen mit Avrion Mitchison die Bedeutung der direkten Interaktion von T-Lymphozyten mit B-Lymphozyten für die Immunreaktion, den „Hapten-Carrier“-Effekt, ein Meilenstein der Immunologie. Darüber hinaus folgten wesentliche Beiträge zur Rolle der Antikörper als Signalrezeptoren für Überleben und Differenzierung der B-Lymphozyten, bei der Generierung von Diversität und Spezifität, und ihrer Differenzierung zu Gedächtniszellen. Weiterhin konnten die Schlüsselrolle von mikro-Ribonukleinsäuren bei der Entwicklung der B-Lymphozyten und ihrer Differenzierung in Plasmazellen erforscht werden. Auch zum Verständnis der  Pathogenese von Lymphomen hat die Arbeitsgruppe von Klaus Rajewsky Wesentliches beigetragen. So hat sie die Hodgkin-Reed-Sternberg-Zellen (HRS), d.h. die Tumorzellen des Hodgkin-Lymphoms, als transformierte Keimzentrums-B-Lymphozyten identifiziert. Heraus-ragend war auch die Entdeckung zur Immortalisierung von Lymphomzellen durch Epstein-Barr Viren. 

Aus dem Labor von Klaus Rajewsky kamen auch wesentliche Entwicklungen zur Zytometrie, Zellsortierung und Hybridomtechnologie. Klaus Rajewsky hat zudem ein entscheidendes Instrument zur genetischen Analyse molekularer Prozesse in der Maus geschaffen: die gezielte konditionelle Mausmutagenese. Erst dadurch wurde die Untersuchung der Rolle einzelner Gene im Immunsystem möglich. Eine Technologie, die die Biologie und die Biomedizin grundlegend veränderte, weit über die Immunologie hinaus. 

Die Arbeitsgruppe von Klaus Rajewsky in Köln war einer der wenigen Plätze in Deutschland, an denen Naturwissenschaftler gezielt an die Immunologie herangeführt wurden. Prof. Rajewsky gehörte zu den Begründern der Thyssen-Graduiertenkollegs, einem Prototyp der heutigen DFG-Graduiertenkollegs. 

Nicht überraschend sind daher die zahlreichen Ehrungen: Er ist Mitglied der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO), der National Academy of Science der USA, des College de France, der Leopoldina und der Russischen Akademie der Wissenschaften. Er ist Ehrendoktor der Charité-Universitätsmedizin zu Berlin und etlicher anderer Universitäten. Er erhielt unter anderem den Avery-Landsteiner-Preis, den Behring-Kitasato-Preis, den Robert-Koch-Preis, den Max-Planck-Forschungs-Preis, den Körber-Preis, den Behring-Heilberger-Preis, den Novartis-Preis, den Ernst-Schering-Preis, die Max-Delbrück-Medaille, den William-B-Coley-Preis, die Ernst-Jung Medaille für Medizin in Gold, die Johann-Georg-Zimmermann-Medaille und die Ehrenmedaille der Gesellschaft für Signaltransduktion.

Reinhold E. Schmidt

Reinhold E. Schmidts Engagement innerhalb der DGfI ist herausragend und nachhaltig. Reinhold Schmidt begann als Sprecher des Arbeitskreises Klinische Immunologie, war stark an den Aktivitäten zu den Baltischen Sommerschulen der DGfI beteiligt, wurde Mitglied des Beirats, diente als Präsident der DGfI und wurde an die „European Federation of Immunological Societies“ (EFIS) und die International Union of Immunological Societies (IUIS) delegiert. Schließlich ist Reinhold  Schmidt der Gründer und spiritus rectus der jährlichen Translational School of Immunology (TIS) in Potsdam/Schwielowsee.

1951 in Knoblauch geboren, studierte er Medizin und Psychologie in Bonn und arbeitete als Medizinalassistent in der Inneren Medizin unter Leitung von Prof. Dr. Dengler. Nach einem Studienaufenthalt in der Rheumatology Unit, Hammersmith Hospital, Royal Postgraduate Medical School, London, England und einem Forschungsaufenthalt in der Division of Tumor Immunology, Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, Boston, USA wurde er Oberarzt an der Abteilung Klinische Immunologie des Zentrums für Innere Medizin und Dermatologie der Medizinischen Hochschule Hannover unter Leitung von Helmuth Deicher. Danach folgte eine Rotation durch verschiedene Oberarztpositionen des Zentrums für Innere Medizin. Seit 1995 ist er  Direktor der Abt. Klinische Immunologie am Zentrum für Innere Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover und seit 2007 Direktor der Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Unterstützt von talentierten jungen Kollegen installierte er in seiner Klinik die zertifizierten Kompetenz-zentren für Infektionskrankheiten, für Erkrankungen des Bewegungsapparates und ein interdisziplinäres Jeffrey Modell Centers für die Diagnose und Therapie von Immundefekten. 

Die Schwerpunkte Reinhold Schmidts wissenschaftlicher Tätigkeit sind die Pathogenese und Therapie von rheumatischen und anderen Autoimmunerkrankungen, angeborenen und sekundären Immundefekten, sowie von HIV und AIDS.  Während seines Aufenthaltes in Stuart Schlossman's Laboratorium bei Dana Farber arbeitete er zusammen mit Kollegen an der phänotypischen Charakterisierung von NK- und NKT-Zellen. Die Gruppe generierte den ersten NK-spezifischen monoklonalen Antikörper, um diese neuartigen Lymphozyten-untergruppe mittels Durchflusszytometrie zu identifizieren. Zusätzlich half Reinhold Schmidt, den Zytotoxizitätsmechanismus von NK-Zellen aufzuklären. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland forschte er an Fc-Rezeptoren und Komplement und deren Rolle bei systemischen Autoimmunerkrankungen. Reinhold Schmidts Gruppe führte auch Arbeiten in der HIV-Forschung durch; dabei beschrieb sie eine weniger differenzierte NK-Zelluntergruppe.

Auszeichnungen und Ehrungen: Prof. Schmidt erhielt den Rudolf Schön Preis für seine Arbeit über „Diagnostik und Pathomechanismen der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH)“, den Jan Brod Preis für die Erforschung von Nieren- und Hochdruckkrankheiten, den Dr. Joachim Hilfenhaus Award, und den Forschungspreis der Deutschen AIDS-Gesellschaft. Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Naturforscher.

Äußerst erfolgreich war Reinhold Schmidt bei der Organisation von Forschungsstrukturen an seiner Heimatuniversität Hannover. Von 1995 bis 2001 war er Sprecher des Graduiertenkollegs "Molekularbiologie des pathologischen Zellwachstums". Im Jahr 2000 war er maßgeblich an der Gründung des ersten deutschen MD/PhD-Programms an der Medizinischen Hochschule Hannover beteiligt. 2003 wurde er zum Dekan der Hannover Biomedical Research School (HBRS) ernannt. Darüber hinaus gründete er im Jahr 2011, gemeinsam mit Georg Behrens, erfolgreich eine von der DFG geförderte Klinische Forschergruppe "Molekulare und zelluläre Mechanismen in der Autoimmunität". 

Nicht zuletzt engagierte sich Reinhold E. Schmidt als echter Homo politicus und „politischer Netzwerker" über viele Jahre im Auftrag der DGfI in zahlreichen wissenschaftlichen, regulativen und medizinischen Berufsverbänden. Die DGfI schuldet ihm dafür viel Dank. Als Anerkennung für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und seine fortwährenden und herausragenden Verdienste für die Fachgesellschaft verleiht die DGfI Reinhold E. Schmidt die Ehrenmitgliedschaft.

Hintergrund: Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI), die am 7. Juli 1967 gegründet wurde und bei ihrer Jahrestagung 2017 in Erlangen ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, vereint führende Naturwissenschaftler und Ärzte, um die Wirkmechanismen der körpereigenen Abwehr von Krankheitserregern wie Bakterien, Viren, Pilze und anderen körperfremden Stoffen wie beispielsweise biologischen Toxine und Umweltgifte zu erforschen. Dadurch werden bedeutende Grundlagen für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten geschaffen. Durch nationale Schulungen und den Austausch mit internationalen Fachgesellschaften fördert die DGfI in besonderem Maße den wissenschaftlichen und klinischen Nachwuchs. Die DGfI ist weltweit die viertgrößte nationale Fachgesellschaft für Immunologie.